Wie funktioniert eigentlich die Einschaltquoten-Messung?


The Big Bang Theory: Sheldon und Co. schauen fern
© CBS
The Big Bang Theory: Sheldon und Co. schauen fern
moviepilot Team
Lord C Christoph Dederichs
folgen
du folgst
entfolgen

Die Einschaltquoten entscheiden auch Jahrzehnte nach ihrer Einführung noch über Wohl und Wehe von Fernsehprogrammen. Wenn die Daten plötzlich für einige Tage nicht zur Verfügung stehen, wie zuletzt im Januar in Deutschland geschehen, bricht schon bald milde Panik bei den Sendern aus. Aber seit wann werden die Quoten überhaupt gemessen, was wird genau ermittelt und wie geht das technisch vor sich?

Wie werden die Einschaltquoten fürs Fernsehen gemessen?

In Deutschland wurden die Einschaltquoten erstmals am 1. April 1963 gemessen. Heute ist dafür die Gesellschaft für Konsumforschung zuständig, und zwar im Auftrag der AGF Videoforschung. In dieser sind wiederum die öffentlich-rechtlichen sowie viele private Fernsehsender zusammengeschlossen, darunter die Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe und die Mediengruppe RTL Deutschland.

Gemessen wird, was 5000 Haushalte mit insgesamt um die 10000 Mitgliedern zu welchem Zeitpunkt im Fernsehen bzw. per Aufnahme (DVR) schauen. Sie bilden das Fernsehpanel, ein "verkleinertes Abbild aller Privathaushalte mit mindestens einem Fernsehgerät in Deutschland [...], deren Haupteinkommensbezieher deutschsprachig ist", so die AGF Videoforschung. Von ihnen wird auf 75,68 Millionen Personen ab 3 Jahren bzw. 38,8 Millionen Fernsehhaushalte in Deutschland geschlossen. Bei der Auswahl der Panel-Teilnehmer wird auf Repräsentativität geachtet, d. h. die Stichprobe muss mit der Gesamtzahl der Fernsehhaushalte "in allen relevanten Strukturmekmalen" übereinstimmen, z. B. regionale Verteilung, Haushaltsgröße, Alter und Schulbildung. Gemessen werden die Empfangswege IPTV, Satellit, Kabel und Terrestrik.

Die Messung erfolgt entweder über ein Gerät namens TC Score, das als Tuner fungiert und nach Anmeldung von bis zu 16 Haushaltsmitgliedern und 16 Gästen sekundengenau misst, was sie sehen. Erfasst werden hier auch Aufnahmen, z. B. vom Festplattenrecorder. Alternativ kann mit einem Gerät namens TC UMX gemessen werden, das das Programm anhand des Audiosignals erkennt. Bei IPTV ist dies der einzig mögliche Messweg, da es hier ja keinen Tuner gibt.

In den USA misst Nielsen Media Research die Einschaltquoten, sowohl für landesweite als auch für lokale Fernsehsehsender. Die landesweite Messung erfolgt personenbezogen mit Geräten, die ebenfalls das Audiosignal auswerten (mal mit Anmeldung einzelner Personen, mal nur allgemein). Die lokale Messung erfolgt neben diesen Geräten in den 140 kleinsten Absatzmärkten von insgesamt 210 auch heute noch ausschließlich mittels Tagebüchern. Hierbei schreiben während der sogenannten Sweeps Haushalte, die keine technischen Messgeräte haben, auf, was sie gesehen haben: Für 7 Tage in Haushalten ohne, für 8 Tage in Haushalten mit Aufnahmegeräten, vier Mal im Jahr. Die Sweeps selbst dauern jeweils einen Monat und finden ungefähr im November, Februar, Mai und Juli statt. Diese altertümliche Methode soll allerdings früher oder später abgeschafft werden.

Wie werden Einschaltquoten fürs Streaming gemessen?

Einschaltquoten fürs Videostreaming (bei Mediatheken und Streaming-Diensten) werden auch in Deutschland von Nielsen gemessen. Einerseits durch eine sogenannte Zensusmessung, bei der der Player des jeweiligen Mediatheken-Anbieters die Aufrufe zählt. Andererseits durch ein Desktop-Panel, dessen 15.000 monatlich aktive Teilnehmer eine Messsoftware auf ihren Desktop- und/oder Laptop-Computern installiert haben. Um gemessen zu werden, muss der Teilnehmer seinen Computer also mindestens einmal pro Monat aktiviert haben, wohingegen die Teilnehmer des TV-Panels nicht fernsehen müssen. Für Mobile (Smartphones und Tablets) gibt es ein Mobile-Panel mit 5000 Teilnehmern.

In den USA wird die Streaming-Nutzung ebenfalls mittels installierter Messsoftware auf stationären und mobilen Computern bzw. Geräten gemessen.

Wie werden die Panel-Teilnehmer gewonnen?

Die Anwerbung der Haushalte in Deutschland erfolgt zufällig, sie können sich nicht selbst bewerben. Sie werden nicht für ihre Dienste bezahlt, erhalten nur hin und wieder mal ein Geschenk. Ihre Identität "unterliegt strengster Geheimhaltung", um Manipulationen vorzubeugen, nur wenige kennen sie.

Was sind Zuschauerzahlen/Marktanteil/Rating/Share?

In Deutschland werden die Einschaltquoten für gewöhnlich in Millionen Zuschauern angegeben, den Zuschauerzahlen. In den USA erfolgt die Angabe zudem standardmäßig als Rating und Share.

Rating wird in Points angegeben und bezeichnet den Anteil aller Haushalte mit Fernseher, die die entsprechende Sendung gesehen haben. 1 Point entspricht 1 %. Hat also eine Sendung ein Rating von 3.2, wurde sie von 3,2 % aller Haushalte mit Fernseher gesehen. Für die TV-Saison 2017/18 schätzte Nielsen die Anzahl der TV-Haushalte in den USA auf 119,6 Millionen, in denen geschätzt 304,5 Millionen Menschen ab 2 Jahren leben.

Zusätzlich gibt es noch den Marktanteil, in den USA als Share bezeichnet: Er wird in Prozent angegeben bezeichnet den Anteil aller Haushalte mit Fernseher, die ihn zu diesem Zeitpunkt auch eingeschaltet hatten. Hat eine Sendung einen Marktanteil bzw. Share von z. B. 19 %, wurde sie von 19 % all derer gesehen, die zu diesem Zeitpunkt ferngesehen haben.

Was sind Live-, +Same Day-, +3-, +7-Quoten?

Da eine Sendung nicht nur bei ihrer Premieren-Ausstrahlung gesehen werden kann, sondern auch bei einer Wiederholung oder als Aufzeichnung, werden vor allem in den USA nicht mehr nur die unmittelbaren Einschaltquoten gemessen, sondern auch die für einen längeren Zeitraum danach.

Live misst die Zuschauer bei der Premierenausstrahlung. +Same Day auch diejenigen, die eine Sendung später am selben Tag gesehen haben. +3 bezieht auch die Zuschauer mit ein, die eine Sendung bis zu drei Tage später gesehen haben, +7 bis zu 7 Tage später.

Was sind Zielgruppen?

Neben der absoluten Angabe, wie viele Menschen eine Fernsehsendung gesehen haben, gibt es auch die für Werbekunden viel interessantere Aufteilung der Zuschauer nach Zielgruppen. Hierbei werden Aspekte wie Geschlecht, Alter und Einkommen berücksichtigt. Die wichtigste Zielgruppe ist die der 18- bis 49-Jährigen. Die Anzahl der Zuschauer aus dieser Gruppe ist sogar wichtiger als die der Gesamtzuschauer. Wie Spoiler TV erklärt, liegt dies aber nicht daran, dass diese Bevölkerungsgruppe die größte Kaufkraft hat, sondern daran, dass 18- bis 49-Jährige weniger fernsehen als Ältere und somit schwerer durch Werbebotschaften zu erreichen sind.

Was sind Zuschauerkontakte?

Bei der Angabe der Zuschauerkontakte einer Sendung werden einzelne Menschen, die z. B. mehrere Folgen einer Serie gesehen haben, auch mehrfach gezählt. Zuschauerkontakte einer Serien-Staffel sind somit nicht direkt mit klassischen Einschaltquoten vergleichbar. Sie werden gerne bei Serien verwendet, die weniger im linearen TV gesehen werden und mehr via VoD.

Welches fiktionale Programm hatte die höchste Einschaltquote?

Den Rekord für die höchste Einschaltquote eines fiktionalen Programms hält in Deutschland die Schwarzwaldklinik-Episode Die Schuldfrage, die am 17.11.1985 von sage und schreibe 27,97 Millionen Zuschauern gesehen wurde. In den USA wird diese Ehre der letzten Folge von MASH zuteil, die am 28.11.1983 tatsächlich 105,97 Millionen Menschen sahen. Umgeben sind sie in den Quoten-Bestenlisten von zahllosen Fußballspielen der Welt- und Europameisterschaften (Deutschland) sowie Super Bowls (USA).

Was haltet ihr von der Einschaltquotenmessung?

moviepilot Team
Lord C Christoph Dederichs
folgen
du folgst
entfolgen
Deine Meinung zum Artikel Wie funktioniert eigentlich die Einschaltquoten-Messung?
46570d6a2ba640f9a3b28ff749562918