Sucker Punch und Co.

Warum Zack Snyder seelenlose Geek-Träume dreht


Malin Åkerman in Watchmen
© Legendary Pictures
Malin Åkerman in Watchmen

Seit gestern läuft Sucker Punch, der neue Film von Zack Snyder, in den deutschen Kinos. Obwohl der Film alle möglichen Geek-Fantasien kanalisiert, ist er in den USA nur schwach gestartet und läuft Gefahr, zum Flop zu werden. Das allein sagt überhaupt nichts über die Qualität des Films aus, freut mich aber trotzdem, denn Zack Snyders Filme sind abstoßende Hochglanzträumereien, die bei mir im besten Falle ein langes gähn hervorrufen, im schlimmsten die pure Aufregung ob der ideologischen Lesart, zu der sie anregen.

Langeweile pur
Dawn of the Dead war wenigstens noch gruselig, aber spätestens bei 300 gelang Zack Snyder das seltene Kunststück, einen reißerischen Actionfilm langweilig aussehen zu lassen. Der endlose Wechsel zwischen Zeitlupen und Zeitraffer nutzt sich sehr bald ab, übrig bleiben hübsche Bilder und viele Sixpacks. Bei Watchmen – Die Wächter bewies Zack Snyder dann, dass ihm jegliches Talent für eine rhythmische Filmerzählung abgeht. Doch alle formalen Mäkeleien wären nicht so schlimm, wenn mich bei seinen Filmen nicht stets das Gefühl beschleichen würde, einem hübschen Typen dabei zu betrachten, wie er sich selbst lüstern im Spiegel anstarrt.

Adaptionen ohne Sinn und Verstand
Meine Reaktion auf Zack Snyder-Filme wäre vielleicht nicht so hitzig, wenn er nicht stets das schlimmste aus den Vorlagen hervorbringen würde, die er anpackt. So entzog er Dawn of the Dead seinem gesellschaftskritischen Anspruch, drehte 300 als unreflektierte Faschisten-Schlacht und beraubte Watchmen – Die Wächter gar seiner Essenz. Ein ums andere Mal gelingt es Zack Snyder, seine Vorlagen traurig fehl zu interpretieren, wenn er sich denn überhaupt die Mühe macht, einen Interpretationsvorgang durchzuführen. So werden aus den realistischen Vigilanten des Comic-Klassikers Watchmen in seiner Adaption Übermenschen, die sich durch gestylte Zeitlupen-Set Pieces kämpfen. Lieber Zack: Night Owl II hatte im Comic eine Wampe und das hatte einen Grund! Da hätte er ebenso Watchmen Babies in V for Vacation drehen können.

Fetisch statt Stil
Viele erfreuen sich ja am Stil des Zack Snyder. Das, was ich im Grunde am traurigsten an seinen Filmen finde, ist, dass sie Zeugnis eines Regisseurs abliefern, der sich den gängigen visuellen Erzählmustern Hollywoods nicht einfach kampflos ergibt. And then it all goes to hell… Was bei anderen Kollegen noch als Stil bezeichnet werden kann, ist bei Zack Snyder zum Hochglanz-Fetisch verkommen, den er jedem Stoff aufdrückt, egal ob es passt oder nicht. Damit droht er stets den Sinn der Vorlage zu verkehren (s.o.) und sorgt in Sucker Punch sogar dafür, dass die angebliche Frauen-schlagen-zurück-Story auf den lasziven, männlichen Blick auf Mittzwanziger-in-Kostümen-von-Teenagern reduziert wird.

Fantasieloser Anti-Auteur
Vielleicht ist Sucker Punch ja endlich der Beweis, dass Zack Snyder nur so gut ist wie die Vorlagen, die er verschandelt. Doch wo andere Regisseure sich wenigstens in den Dienst ihrer Aufgabe stellen, einfach nur ein Buch verfilmen oder ein Remake auf die Leinwand bringen wollen, drückt Zack Snyder jedem Projekt seinen visuellen Stempel auf. Abseits der durchgestylten Bilder hat er allerdings nichts zu sagen. Das, was an Watchmen gut erscheint, ist wenn überhaupt nur dank der Arbeit von Alan Moore und Dave Gibbons gut, deren Panels Snyder teilweise einfach filmisch nachbildet, ohne auch nur eine Sekunde ein Verständnis dafür zu zeigen, warum sie da sind, wo sie sind. Dann doch lieber Ron Howard

Kein Gefühl, nur selbstverliebte Oberfläche
Abseits des visuellen Fetischs, den die Filme seit 300 fröhnen und der allzu oft in faschistische Verherrlichung abgleitet, ohne dies ansatzweise zu hinterfragen, ja, abseits dieses Fetischs ist da nicht viel zu finden. Leere Figurenhülsen, die irgendwie geil aussehen und geil kämpfen (in mehreren Geschwindigkeiten!) – das ist die Quintessenz des Snyder’schen Kinos. Nach so vielen Jahren, in dem sich das Actiongenre mal hier hin, mal dorthin entwickelte, in dem es ein ums andere Mal Klassiker produziert hat, ist ein unreflektiertes geil als einzig mögliche Reaktion auf einen Film dann doch zu wenig, um all die ideologischen und künstlerischen Implikationen des Snyder’schen Werks einfach zu übersehen.

Seid ihr da anderer Meinung, zum Beispiel jener von Paul in Tribut an Zack Snyder?

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei traveldaily.co.uk, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.
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