Solo trifft seine verrückteste Entscheidung erst zum Schluss


Solo: A Star Wars Story
© Walt Disney
Solo: A Star Wars Story
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Achtung, Spoiler zu Solo: A Star Wars Story: Wer hätte gedacht, dass am Ende eines Films über Han Solos Vorgeschichte, ausgerechnet die Rückkehr einer anderen Figur für die heftigsten Reaktionen im Kinosaal sorgt? Wenn die junge Version des Schmugglers (Alden Ehrenreich) beim Sabacc-Spiel auf Lando Carlissian (Donald Glover) trifft, wird zwar zustimmend mit dem Kopf genickt. Bei der Durchführung des Kessel Run sogar mitgefiebert. Eine Welle von Begeisterung und Erschrecken offenbarte sich allerdings erst in Form der wohl unwahrscheinlichsten Figur, die in diesem Spin-off hätte auftreten können. Entgegen naheliegender Vermutungen hinsichtlich eines Cameos von Kopfgeldjäger Boba Fett oder Gangsterboss Jabba the Hutt thront am Ende von Solo: A Star Wars Story niemand Geringeres als Darth Maul über einem Plot voller Verrat und Intrigen. Diese Enthüllung kam (trotz Gerüchte) definitiv unerwartet.

Die unerwartete Entscheidung weckt Neugierde

Dabei wirft Tobias Beckett (Woody Harrelson) kurz vor dem Showdown den abgelegenen Planeten Tatooine in den Raum und streut für alle Star Wars-Fans die notwendigen Brotkrumen, um zu erahnen, in welche Richtung sich die Geschichte in Zukunft entwickeln könnte. In den versteckten Ecken des Outer Rim haust Jabba the Hutt, der in Krieg der Sterne bekanntlich noch eine offene Rechnung mit Han Solo zu begleichen hat. Vorerst bekommen wir den schleimigen Verbrecherfürst aber nicht zu Gesicht. Stattdessen kristallisiert sich während der Geschehnisse von Solo: A Star Wars Story heraus, dass es sich mit den Gangstern in der Galaxis genauso verhält wie mit den Fischen auf Naboo: Es gibt immer einen größeren, der seine Finger im Spiel hat und sich über zuvor eingeführte Figuren hinwegsetzt. Plötzlich liegt Dryden Vos (Paul Bettany) tot am Boden und Qi'Ra (Emilia Clarke) wendet sich ehrfurchtsvoll an Darth Mauls holografische Erscheinung.

Eine Überraschung, die zweifelsohne polarisieren wird, vor allem im Hinblick auf den Werdegang des ewigen Außenseiters unter den Sith. Eingeführt in Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung war schnell klar, dass Darth Sidious' Schüler sich nicht hinter den ikonischen Gegenspielern des Franchise verstecken braucht, wenngleich sein Auftritt verhältnismäßig kurz (sprich: unbefriedigend) ausfiel und sogar mit seinem (vermeintlichen) Tod endete. Seit geraumer Zeit führt Darth Maul jedoch ein zweites Leben im Jenseits der großen Leinwand, vorzugsweise in animierter Form. Als Figur lässt er sich durch die unterschiedlichsten Videospiele steuern - ja, Darth Maul ist sogar so cool, dass er sich in Tony Hawk's Pro Skater 3 freischalten lässt und mittels Force Grab für eindrucksvolle Trick-Kombos sorgt. Besonders prägend war allerdings sein Auftritt in Star Wars: The Clone Wars und später Star Wars Rebels, wo er von den Toten zurückkehrte.

Unberechenbarkeit zwischen Fan-Fiction und Franchise-Building

Die Entscheidung, Darth Maul in Solo: A Star Wars Story wieder Teil der Kino-Abenteuer werden zu lassen, wirft trotzdem viele Fragen auf, nicht nur, was die Vereinbarung mit dem aktuellen Kanon angeht, sondern ebenfalls den Wissensstand der Zuschauer. Der eine klassische Star Wars-Fan existiert nämlich schon lange nicht mehr, wenn er das je getan hat. Bei einem Franchise, das seit Jahrzehnten besteht und in den letzten fünf Jahren massiv expandierte, hat natürlich nicht jeder Interessierte alles gesehen, gespielt und gelesen, was nicht zuletzt an der variierenden Zielgruppe liegt. Wenngleich der Star Wars-Kinofilm immer noch ein perfekter Vier-Quadranten-Blockbuster ist, sprechen The Clone Wars und Rebels etwa ein deutlich jüngeres Publikum an und finden generell ein vergleichsweise kleineres Publikum als es etwa bei den Flaggschiffen des Sternenkriegs der Fall ist.

Seine Unberechenbarkeit macht den Twist, der sich bis dato zugegebenermaßen auf Cameo-Level bewegt und irgendwo zwischen unverschämten Fan-Service und unbeholfenem Franchise-Building schwankt, allerdings so herrlich. Bei einer Geschichte, deren einzelnen Stationen durchaus vorhersehbar sind (Kessel Run, Millennium Falcon, Sabacc-Spiel, etc.), wirkt dieser Move beinahe so, als wolle Solo: A Star Wars Story die Fans trollen. Immerhin hat sich erst vor knapp über einem Jahr der Kreis geschlossen und Darth Mauls Schicksal wurde im Rahmen eines poetischen Zusammentreffens mit Obi-Wan Kenobi erfüllt. Nun taucht er jedoch zwischen seiner Clone Wars- und Rebels-Existenz als der furchteinflößende Kopf einer kriminellen Bande auf und lässt die Zukunft der (potentiellen) Solo-Reihe gleichermaßen ungewiss wie aufregend wirken. So verrückt Darth Mauls Rückkehr wirken mag, sie weckt mindestens genauso viel Neugier.

Wie sich Star Wars selbst zum Verhängnis werden könnte

Mit Boba Fett oder Jabba the Hutt hätten es sich die Kreativen deutlich einfacher machen können. Darth Maul hingegen ist wahrlich eine durchgeknallte, vielleicht sogar extrem umständliche Idee, um Solo: A Star Wars Story in eine eigene Trilogie oder Ähnliches zu verwandeln. Auch ein Blick auf The Clone Wars und Rebels lässt viele Fragen offen, wie sich Darth Mauls Abstecher in die Unterwelt von Solo: A Star Wars Story im Detail mit dem Kanon vereinbaren lässt - oder womöglich dafür sorgt, dass dieser an bestimmten Stellen abgewandelt und verändert wird, was ebenso beim rumorten Obi-Wan Kenobi-Films interessant werden könnte. Vorerst begeistert allerdings dieser kühne, irrwitzige und faszinierende Schachzug, genauso die dahinter versteckte Ambition, die bisher doch recht strickt voneinander getrennten Teile des Star Wars-Universum mit versöhnlicher Geste zusammenzuführen, sodass der große Graben irgendwann verschwindet.

Bereits Rogue One: A Star Wars Story hat sich mit Saw Gerrera (Forest Whitaker) eine Figur aus The Clone Wars zu eigen gemacht, wenn auch eine bis zu diesem Zeitpunkt relativ unbekannte. Solo: A Star Wars Story betreibt diese Annäherung nun deutlich aggressiver und sucht sich eines der wohl unverkennbarsten Gesichter des gesamten Franchise heraus, um den Bogen zu zwei Animationsserien und dem ersten Prequel zu schlagen. Ebenso schön wie beiläufig gestaltet sich die Geste, beide Schauspieler an Bord zu holen, die Darth Maul bisher zum Leben erweckt haben. Während Stuntman Ray Park ihm erneut eine kräftige Statur (mit Roboterbeinen) verleiht, tönt Sam Witwers bedrohliche Stimme durch den Raum. Zwar mag Darth Maul keine 60 Sekunden in Solo: A Star Wars Story verweilen. Alleine die Aussicht, seinen zerrissenen, tragischen Charakter, der ein Schattenleben in Hass, Zorn und Enttäuschung fristete, noch einmal im Kino zu erleben, sorgt für Gänsehaut. Diese Rückkehr ist völlig irre, irgendwie aber auch geil.

Was sagt ihr zu Darth Mauls Rückkehr in Solo: A Star Wars Story?

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