Mit Solo hat Star Wars den Gipfel der Franchise-Beliebigkeit erreicht


Solo: A Star Wars Story
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Solo: A Star Wars Story
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Achtung, Spoiler zu Solo: A Star Wars Story: Durch das festgesteckte Ziel, momentan jedes Jahr einen neuen Star Wars-Film in die Kinos zu bringen, hat sich Disney schon jetzt in eine kreative Sackgasse manövriert. Neben den eigentlichen Episoden, von denen neben der neuen Trilogie auch schon weitere von den Game of Thrones-Showrunnern David Benioff und D.B. Weiss sowie Star Wars 8-Regisseur Rian Johnson angekündigt wurden, entwickelt Disney zusätzlich verschiedene Spin-offs. Diese Anthologie-Filme sollen sich vornehmlich auf Charaktere oder Ereignisse konzentrieren, die Star Wars-Fans bereits kennen, und diese in neuem Licht betrachten oder im besten Fall sinnvoll bereichern.

Was mit dem ersten Spin-off Rogue One: A Star Wars Story noch einigermaßen gut gelang, da Regisseur Gareth Edwards die Geschichte als Brücke zwischen Episode III und IV in Form eines mitunter sehr düsteren Kriegsfilms schlug, geht in Solo: A Star Wars Story schon nicht mehr auf. Der Film ist der Beweis, dass Star Wars den Gipfel der Franchise-Beliebigkeit vermutlich schon jetzt erreicht hat.

Solo: A Star Wars Story hakt den ikonischen Charakter wie eine Checkliste ab

In der ersten Star Wars-Trilogie von George Lucas wurde Han Solo als ebenso charismatischer wie gerissener Schmuggler eingeführt, der Geheimnisse hütete, die er sich auch bewahren durfte. Zuschauer merkten, dass dieser von Harrison Ford gespielte Charakter ein problematisches Verhältnis zum weiblichen Geschlecht hat, ohne dass die Hintergründe dazu aufgeklärt wurden. Ungeklärt blieb ebenso, wie Han an den Millennium Falcon kam, das Raumschiff, welches zu seinem Markenzeichen wurde. Auch die Beziehung zwischen dem Schmuggler und dem Wookie Chewbacca wurde gar nicht erst mit unnötigen Informationen erklärt. Als Han und Chewie in Krieg der Sterne das erste Mal gemeinsam auftauchen, sind sie einfach ein eingespieltes Team, das die Sympathien des Zuschauers nur durch ihre Chemie für sich gewinnt.

In Solo: A Star Wars Story werden sämtliche Markenzeichen und offenen Geheimnisse der Figur dazu genutzt, um Han Solo als ikonischen Charakter wie eine Checkliste abzuhaken. Woher stammt eigentlich der Nachname von Han? Wie ist der Schmuggler an seine Blasterpistole gekommen? Was steckt hinter dem Kessel-Flug, den der Pilot des Millennium Falcon nach eigener Aussage in Rekordzeit absolvierte? Fragen, die dem Publikum im Spin-off in oftmals beiläufiger oder nicht gerade spektakulärer Manier beantwortet werden, damit die äußerst dünne Geschichte des Films mit nostalgischen Ankerpunkten versehen wird. Solo: A Star Wars Story degradiert die Fans nach der teilweise gewagten Episode 8, für die Rian Johnson einige mutige Entscheidungen traf und dafür gerade von extremen Star Wars-Anhängern massiv Kritik erntete, direkt wieder zur simpel zu bespaßenden Masse, der es genügen soll, dass sich einer geliebten Figur aus dem vertrauten Kanon ein paar Stichpunkte mehr in ihrem Lebenslauf hinzufügen lassen.

Solo: A Star Wars Story scheitert neben dem Mythos auch an der Figur Han Solo

Während das Spin-off den Mythos Han Solo eher beschädigt, indem er ihn weitestgehend entmystifiziert, schaffen die Drehbuchautoren Lawrence und Jonathan Kasdan zudem innerhalb ihrer Geschichte keinen gelungenen Umgang mit der Figur selbst. Zu Beginn des Films wird der Zuschauer in die Liebesbeziehung zwischen Han und Qi'ra förmlich geworfen, was wiederum der einzigen Leerstelle in Hans Charakter aus Solo: A Star Wars Story entspricht. Ansonsten verkommt der Schmuggler in seinem eigenen Spin-off überwiegend zur bloßen Nebenfigur, die den entscheidenden Ereignissen hinterherhinkt.

Auch wenn Han Solo eigentlich im Mittelpunkt des Films stehen sollte, der nach ihm benannt wurde, findet das von Set-Piece zu Set-Piece hetzende Drehbuch selten Augenblicke, in denen die Hauptfigur signifikante Momente zugestanden bekommt. Neben anderen Charakteren wie Beckett, der als Mentor für den Schmuggler fungiert, oder Lando, der die meisten seiner Szenen aufgrund von Donald Glovers unwiderstehlicher Ausstrahlung komplett an sich reißt, wirkt der von Alden Ehrenreich gespielte Titelheld die meiste Zeit über wie ein unbeholfenes Anhängsel, das auf zahlreiche Entwicklungen reagieren muss, nachdem diese längst passiert sind.

Star Wars als neidischer Schatten des Marvel Cinematic Universe

Mit Solo: A Star Wars Story, der den bislang seelenlosesten, überflüssigsten Beitrag innerhalb des filmischen Star Wars-Universums markiert, haben die Pläne von Disney ihren ersten beunruhigenden Tiefpunkt erreicht. Das Entgegenfiebern auf die Veröffentlichung eines neuen Star Wars-Films gehört nun der Vergangenheit an. Vielmehr wirkt es so, als stünde das Franchise neidisch im Schatten des Marvel Cinematic Universe, dem als großes Vorbild aktuell nachgeeifert wird. Jahr für Jahr sollen die Kinos weiterhin pünktlich mit neuen Geschichten aus einer weit, weit entfernten Galaxis befüllt werden. Am Ende stellt sich jedoch die Frage, ob die Filme in naher Zukunft überhaupt noch nach den Sternen greifen wollen.

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