25 Jahre Jurassic Park - Ein Blockbuster-Wunder für die Ewigkeit


Jurassic Park
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Eine der verblüffendsten Szenen in Jurassic Park ist heute wie vor 25 Jahren der Moment, in dem sich Dr. Alan Grant (Sam Neill) seine Sonnenbrille abnimmt, um das Wunder zu bestaunen, dessen Zeuge er soeben geworden ist. Womöglich ist dieser kurze Augenblick zitternder Ungläubigkeit heutzutage sogar noch ein Stück beeindruckender, weil wir uns im Blockbuster-Kino in den vergangenen Jahren geradezu daran gewöhnt haben, uns hinter dem dunklen Filter einer 3D-Brille zu verstecken, um das Wunder auf der großen Leinwand in seiner vermeintlich ganzen Pracht entdecken und erfassen zu können. Der Kontrast ist faszinierend, vielleicht auch bizarr: Das Verlangen, mehr zu erleben, indem wir in die Tiefe des Bildes eintauchen, erfordert eine unmittelbare Barrikade, während sich Dr. Alan Grant gar nicht schnell genug von seiner Brille trennen kann, um in der endlichen Leinwandtiefe- und -weite einen leibhaftigen Dinosaurier auszumachen.

Jurassic Park beschwört den ultimativen Moment des Kinos

25 Jahre später hat dieser Moment des Staunens, also der ultimative Moment des Kinos, nichts von seiner Magie verloren, wenngleich die minimale Bewegung im Bild mit den heutigen Blockbuster-Standards kaum mithalten kann. Was auf den ersten Blick nicht mehr zeitgemäß wirken mag, offenbart auf den zweiten jedoch den puren Kern der Bewegung, völlig schnörkellos und mit einer Aufmerksamkeit inszeniert, wie es nur ein Meister vom Schlag eines Steven Spielberg versteht. Ähnlich wie Dr. Alan Grant in den Steinschichten einer verborgenen Vergangenheit nach etwas Wahrhaftigem sucht, das genauso zerbrechlich wie überwältigend ist, findet Steven Spielberg in seiner Adaption von Michael Crichtons Dinopark die Essenz eines Kinos, das sich fortwährend verändert und infrage gestellt. Auch im Hinblick auf Schindlers Liste, den Spielberg unmittelbar nach Jurassic Park drehte, markiert 1993 wohl sein konzentriertestes Jahr.

Obgleich sich durch Steven Spielbergs gesamtes Schaffen eine bemerkenswert klare (Bild-)Sprache zieht, dürfte der Ausbruch des T. Rex bis heute sein fokussiertestes Abenteuer sein, das sich völlig der eigenen Identität bewusst ist und dementsprechend effizient in Szene gesetzt werden konnte. Das fängt bei der raffinierten Integration der Merchandise-Maschinerie an, die die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lässt, zieht sich über den offenen Umgang mit der eigenen Schöpferkraft und mündet schließlich in einem brillanten Dialog über das, was die Leinwand kann, wie tief sie geht, wie weit sie reicht und, ja, was aus ihr herausragt. Steven Spielberg stellt sämtliche Vorstellungen dieses Kino-Konzepts auf den Kopf, wenn er John Hammond als naiven, missverstanden Träumer-Schöpfer mit seinem projizierten Abbild kommunizieren lässt, obgleich der filmische Klon seinem echten Vorbild mit den Zeilen davonrennt wie die Dinos den Wissenschaftlern.

Jurassic Park - Ein Film wie ein sezierter Schöpfungsprozess

Bis John Hammond seine Spickzettel auspackt, treffen 65 Millionen Jahren Evolutionsgeschichte aufeinander und zwei Spezies stehen sich im gleichen Raum gegenüber, die nie koexistieren dürften. Der Mensch blickt in des Dinos Angesicht, während auch dieser sein Gegenüber sorgfältig mustert und observierend überlegt, wie er aus dem künstlichen Paradies entkommt, in das er hineingeworfen wurde. Weder Spickzettel noch modernste Technologie können den Kontrollverlust verhindern, der sich als reizendes Versprechen bereits in der Prämisse des Dinoparks versteckt. Wenn Schöpfer erschaffen, was sie sich vorstellen und umsetzen können, stellt sich automatisch die Frage nach dem Ausgang dieses Gedankenspiels. Jurassic Park findet dabei neben den technischem Ausfall, der die Reihe genauso wie das menschliche Versagen bis heute begleitet, die natürliche Katastrophe eines Unwetters, das sich zwar berechnen, jedoch keineswegs kontrollieren lässt.

Dennoch hat John Hammond keine Kosten und Mühen gescheut, um zumindest den Anschein zu erwecken, mit gewaltigen Zäunen den entfesselten Echsen Einhalt gebieten zu können. Schon King Kong, das Ur-Monster des Kinos, ließ sich nicht fesseln, weder von der Natur noch von Menschenhand. So dokumentiert Jurassic Park auf gewisse Weise den Zerfall einer Illusion, während der Film selbst die perfekte Illusion schafft, die das Blockbuster-Kino zu bieten hat. "No, no, no, we have no animatronics here. Those people are the real miracle workers of Jurassic Park", beharrt John Hammond, als ihn der blutsaugende Anwalt zur Goldgrube gratuliert, die er zu erkennen glaubt. Nicht nur ein bisschen, sondern sehr präzise kommentiert Steven Spielberg die eigene Schöpfung in diesem Augenblick, betont aber niemals die zynischen Facetten, sondern findet einen versöhnlichen Weg, um sich dem fragwürdigen wie kostbaren Wunder anzunähern.

Steven Spielberg, der unerhörte Wunder schafft

Steven Spielberg entzaubert seinen Film genauso, wie er neue Mythen schafft, die das Kino für immer verändern sollen. Dr. Alan Grant erfährt es in Jurassic Park am eigenen Leib, wenn er anfangs noch genüsslich mit einer Raptorenkrallen einen kleinen Jungen traumatisiert, ehe es später Hammonds Enkel sind, die ihn wie Raptoren jagen, umzingeln und in die Ecke drängen, ohne, dass er sich im Klaren ist, wie ihm geschieht. Da spannt Jurassic Park einen von vielen reflektierenden Bögen, die sich über den gesamten Lauf des Films erstrecken und bei aller Effizienz nicht vergessen, dass es gerade die Mischung aus den kalkulierten und den poetischen Bestandteilen dieses unerhörten Freizeitparks ist, die für all die Emotionen sorgen, wie sie später von John Williams bis in den schlichten Abspann getragen werden, um das Gesehene wirken zu lassen. Dann können wir unsere Brillen wieder auf bzw- absetzen, im Bewusstsein, ein Kinowunder erlebt zu haben.

Strahlt für euch Jurassic Park auch 25 Jahre später noch die gleiche Faszination aus?

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