Jumanji - Wie Dwayne Johnson Filme und die Welt rettet


Dwayne Johnson in Jumanji
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Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.

Wir leben in einer Ära des Perversen, des Vereinens unvereinbarer Gegensätze. Es gab noch nie und es wird wahrscheinlich auch nie wieder eine Zeit geben, in der ein und derselbe Mensch mit Präsidentschaftsambitionen und der Sprechrolle in einem Detektiv-Pikachu-Realfilm in Verbindung gebracht und das sogar relativ nüchtern von der Internetleserschaft abgenickt wird. Wie eine Flasche Sonnenöl, die in Miami in einen Pool plumpst, oder eine Gewichtscheibe, die am Strand von Santa Monica von einer Langhantelstange rutscht.

Dwayne Johnson könnte (wahrscheinlich) Präsident werden, wenn er wollte. Ganz sicher könnte er auch Special Agent Pikachu und Firefighter Squirtle spielen, wenn er wollte. Das hat mit der Hot Wheels-Kino-Ära, in der wir leben, arbeiten und weinen, zu tun und noch etwas mehr mit Dwayne Johnson selbst, der sichtbarsten Persönlichkeit in dieser Film-Welt neben Shah Rukh Khan. Dwayne Johnson hat die Rolle als Detective Pikachu nicht angenommen, die hat jetzt Ryan Reynolds (*High Five*). Dwayne Johnson spielt jedoch schon bald in Rampage einen Primatenforscher, der sich mit einem Affen anfreundet, in einem Film, der auf ein Arcade-Spiel der 1980er Jahre zurückgeht. Die Suche Hollywoods in den Kinderzimmern und Videospielhallen der 80er-Jahre nach bisher unverfilmbaren Stoffen kennt keine verrückten Einfälle. Die Ideenpräsentationen enden wahrscheinlich nicht selten mit der Erkundigung nach Dwayne Johnsons Verfügbarkeit für 30 Drehtage im nächsten Frühling, oder so. Dwayne Johnson macht die verrücktesten Film-Pitches erst plausibel, gibt Konzepten einen Kern und Sinn, deren Ursprung eine Videospielfigur oder weniger ist. Auch die Neuverfilmung Jumanji - Willkommen im Dschungel, die jetzt auf DVD und Blu-ray verfügbar ist, klang solange idiotisch, bis Dwayne Johnson zusagte. Er macht Filme besser, bevor sie überhaupt existieren, und sie so wahrscheinlich erst möglich.

Dwayne Johnson ermöglicht das Unmögliche

Dwayne Johnson ist zum dritten Mal Vater einer Tochter geworden, weshalb er darüber scherzte, wie eigentümlich sich doch sein Testosteron auf seine Fortpflanzungsergebnisse auswirkt. In das meiste, was Dwayne Johnson sagt und postet, ist eine Lausbuben-Variable von vornherein eingerechnet. Die Verwunderung darüber, dass sich seine um jeden Nanoquadratzentimeter Dwayne streitenden Männlichkeitshormone noch nicht in einem männlichen Erben geäußert haben, muss er nicht ernst meinen. Dabei hat sich sein geschmunzeltes Testosterongepolter schon lange auf das Vokabular ausgebreitet, mit dem Johnsons Bedeutung in der Branche beschrieben wird. Mit Dwayne Johnson stehen auch schlaffe Filmuniversen wieder stramm. Vor ein paar Jahren entstand so der Begriff Franchise-Viagra für die Dosis Dwayne, die müde Filmkörper wieder vitalisiert. Als Hobbs pustete Johnson etwa im Fast-Franchise die Rohre frei, erst mit ihm drang die Reihe in die zur Prä-Dwayne-Zeit noch unvorstellbar steilen Höhen vor. Als Black Adam schwebt er bald ins DC-Universe und mit ihm eine riesige Internet-Gefolgschaft. Johnson steuert eine selbst unter den größten Nummern der Branche einzigartige Social Media-Präsenz und -Reichweite. Über seinen magnetischen Namen hinaus dient Johnsons verästeltes Social-Media-System den Studios als Hafen für Marketing-Kampagnen.

Mit seiner kompromisslosen Hingabe an die Erfordernisse des Franchise-Kinos ist Dwayne Johnson zum König dieses Kinos geworden und so wahrscheinlich zum derzeit einzigen Superstar auf einem Markt, in dem die Marke der Star ist - oder der Star-Faktor sich erst aus dem Ensemble speist. Die Chris Hemsworths, Evans', Pratts des MCU stehen, bei aller Star-Tauglichkeit, hinter den Figuren, die bekannter sind als ihre Darsteller. Dwayne Johnson ist größer als jede Rolle, die er annimmt. Das eigene Spin-off im Fast-Franchise war sodann eine Entscheidung, die gar nicht getroffen werden musste. Die Entscheidung ergab sich in der Logik der Marktrealität von selbst, sozusagen. Die Formel dieses zeitgenössischen Blockbuster-Kinos verkernt sich in Dwayne Johnson. Er vereint das, was im Franchise-Kino gefragt ist: Komik, Kraft, Selbstironie. Die Filme, in denen Dwayne Johnson mitspielt, nehmen sich nicht ernst. Und Johnson selbst tut das auch nicht, so wurde er zum A-Lister, der alle anderen um sich herum überragt.

Wie groß Johnson als Marke ist, erkennen wir auch an den Ego-Sperenzchen um das Fast-Gehäuse. Und ich meine hier nicht das traurige Social Media-Aufbegehren des Tyrese Gibson. Viel interessanter sind die Untertöne in der vergifteten Kommunikation zwischen Johnson und Fast & Furios-Vater Vin Diesel. Ein bekannter, letztlich jedoch nur eine begrenzte Action-Nische bedienender Mann wie der bierernste Diesel fühlt sich von DJ eingeschüchtert. Von seiner A-List-Präsenz und seiner Selbstironie, mit der Johnson Diesels Stamm-Genre besudelt, und womöglich auch von dessen mithin beeindruckenderen Körpermassen, aber das gehört hier nicht her.

Oder vielleicht doch. Der (männliche) Zuschauer nämlich muss sich von Dwayne Johnson nicht eingeschüchtert fühlen. Unter dessen strahlendem Lächeln schrumpfen seine Muskeln zusammen. Dwayne Johnson ist quasi die Verkörperung der Sehnsucht, große Dinge nicht bedrohlich finden zu müssen. Auch die Attraktivität des Sexiest Man Alive 2016 findet in seinen Filmen eher im Konjunktiv statt. Frauen schmelzen vor seinen Reizen dahin, kriegen ihn, Dwayne, aber nicht. Er ist eher Projektion von Bedürfnissen denn die Ausstellung dieser, also ganz anders als Vin Diesel in seinen Xander Cage-Filmen.

Baywatch parodierte in diesem Sommer Dwayne Johnsons Image in weiten Teilen. Wohin der Bademeister und Rettungschwimmer auch joggt, überall winkt irgendjemand, den er schon mal gerettet hat, oder der jemanden kennt, den er schon mal gerettet hat. Und wenn Mitch Buchannon keine Leben rettet, rettet er den Tag, sprengt als Rettungsschwimmer Drogenringe, solches verrücktes, miteinander unvereinbares Zeug. Genauso spaziert Dwayne Johnson wahrscheinlich durch Hollywood, strahlend, den Filmen und Film-Universen zuwinkend, denen er seinen nie versiegenden Lebensatem einhauchte.

Dieses Porträt zu Dwayne Johnson haben wir bereits im Dezember zum Kinostart von Jumanji - Willkommen im Dschungel veröffentlicht. Nun ist das Abenteuer auch für das Heimkino auf DVD und Blu-ray erhältlich und der Text immer noch brandaktuell.

Mehr: Jumanji 2 - Cast, Regisseur und Autoren wieder mit dabei

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