Ihr solltet I Feel Pretty (und Amy Schumer) eine Chance geben


Amy Schumer in I Feel Pretty
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In I Feel Pretty hat Amy Schumers Charakter Renee wenig Selbstbewusstsein. Nach einem Schlag auf den Kopf sieht sie sich im Spiegel aber in einem ganz anderen Licht und geht fortan bestimmter durchs Leben. Schon Monate vor dem Release in den USA, als im Februar der erste Trailer zu I Feel Pretty veröffentlicht wurde, erntete der Film viele negative Reaktionen, und das, obwohl diese Kritiker den Film noch nicht einmal gesehen haben. Ich habe mich mit dem Phänomen auseinandergesetzt und finde, Amy Schumer hat diesen Groll nicht verdient. Seit letzten Donnerstag, den 10.05.2018, läuft I Feel Pretty auch in den deutschen Kinos.

Woher kommt der Hass auf Amy Schumer und I Feel Pretty?

Die Abneigung gegen Amy Schumer ist nicht neu. Schon seit ihrem Durchbruch im Jahr 2013 mit der Show Inside Amy Schumer gab es immer wieder Kontroversen um die Comedian. Damals soll sie Witze von anderen Stand-up-Komikern gestohlen haben und musste ihr Bühnenprogramm gegen Zweifler verteidigen. Außerdem stand sie immer wieder für rassistische Witze über Minderheiten an dem Pranger. 2016 wurde Kurt Metzger, einer ihrer Autoren bei Inside Amy Schumer angeklagt, da er bei Facebook über Vergewaltigungsopfer scherzte. Die Vorwürfe richteten sich am Ende ebenfalls gegen Schumer, da sie sich bei Twitter für ihn einsetzte (via Complex). Das sind nur einige von vielen Beispielen, in denen die Schauspielerin wegen negativer Kritiken Schlagzeilen machte. Die von vorneherein negativ eingefärbte Diskussionen um Schumers neuen Film I Feel Pretty ist da nur die nächste Station einer andauernden Schmähung. Amy Schumer ist eine polarisierende Person. I Feel Pretty hingegen vermittelt eine eindeutige, eine positive Botschaft.

Obwohl das Thema von I Feel Pretty keineswegs neues Terrain für Amy Schumer darstellt - schließlich hat sie sich auf der Bühne schön häufiger Witzen über sich selbst und ihre Figur gewidmet - fiel das Internet schon kurz nach Veröffentlichung des ersten Trailers über die Schauspielerin her. Der Film wurde unter anderem als "fat-shaming" bezeichnet. So sei Schumer nicht dick oder hässlich genug, um diese Rolle zu verkörpern. Sie wäre eine durchschnittliche weiße Blondine, ja quasi Hollywoods Schönheitsideal, und hätte deshalb nicht das Recht, in solch einem Film mitzuspielen.

Viele ließen sich auch darüber aus, dass ihr Charakter Renee erst einen Schlag über den Schädel kriegen muss, um sich selbst hübscher zu finden. I Feel Pretty würde daher Frauen nicht ermutigen, selbstbewusster zu sein, sondern eher einen Schritt rückwärts bedeuten.

Was will I Feel Pretty wirklich sagen?

Jeder, der sich nicht nur den Trailer von I Feel Pretty ansieht und dem Film letzten Endes doch eine Chance gibt, merkt schnell, dass die Ressentiments auf einer schlecht recherchierten Grundlage und einer verkürzten Betrachtung der Thematik des Films basieren. Denn I Feel Pretty ist keine Komödie über eine dicke Frau, die sich plötzlich als dünn betrachtet. Der Film folgt Renee, die unabhängig von ihrer Figur kein Selbstbewusstsein hat und sich plötzlich als schön bewertet. Dabei blickt sie nach ihrem Schlag auf den Kopf, wie der erste Trailer vielleicht suggerierte, nicht auf ein dünnes Supermodel im Spiegel, sondern sieht sich selbst und hat plötzlich das Selbstvertrauen, das gut zu finden, was sie dort erkennt. In einem Artikel auf Bustle beschreibt Amy Schumer Renees Situation in eben dieser Szene folgendermaßen:

Wir erfahren tatsächlich nie, was Renee als ihren 'neuen' Körper im Spiegel sieht. Als ich diese Szene gefilmt habe, habe ich selbst in den Spiegel gesehen und ich habe mich mir nicht dünner vorgestellt als ich bin. Das haben sich die anderen nur zusammengereimt.

Außerdem scheint es wohl noch sehr weit vorausgegriffen, zu behaupten, Amy Schumer wäre Hollywoods Schönheitsideal. Dafür kommt es noch viel zu häufig vor, dass Frauen, die wie Amy Schumer gebaut sind, in der Mode-, Kosmetik- oder Filmbranche oft keinen Platz finden. Erst letztes Jahr wurde zum Beispiel die Taille von Claudia Cardinale auf einem Plakat für das Filmfestival von Cannes retuschiert, um sie dünner erscheinen zu lassen. Amy Schumer wiederum weigerte sich, dass ihr Körper in I Feel Pretty retuschiert wird. Nur weil dieser Deal eingehalten wurde, sagte sie Rolle in der Komödie überhaupt zu.

Doch selbst wenn Amy Schumer mittlerweile Hollywoods Schönheitsideal ist, wer sagt, dass nicht auch normalgewichtige, durchschnittliche Frauen sich manchmal unsicher fühlen können? Jede Frau und jeder Mann haben sich in irgendeiner Situation bestimmt schon einmal unsicher gefühlt. Dabei geht es nicht darum, wie dick oder dünn, wie schön oder hässlich jemand ist. "Jeder hat das Recht auf dieses Gefühl, unabhängig von ihrer Erscheinung. Wir kämpfen alle mit unserem Selbstwertgefühl", sprach sich Amy Schumer in einem Interview mit Vulture aus. Schumers Renee ist nämlich nicht die einzige, die sich in I Feel Pretty unsicher fühlt. Emily Ratajkowski, Michelle Williams und Tom Hopper leiden ebenfalls an Minderwertigkeitsgefühlen, sei es wegen der quietschigen Stimme oder weil sie nur wegen ihres Geldes gemocht werden.

An manchen Vorwürfen gegen Amy Schumer mag etwas Wahres dran sein. Doch I Feel Pretty will eine alles in allem schöne Botschaft vermitteln und ist dabei von Frauen (Abby Kohn führte Regie und schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Marc Silverstein) für Frauen gemacht. Amy Schumer wurde in der Vergangenheit selbst viel gehänselt, wie sie in ihrem Artikel auf Bustle ebenfalls verriet, und hat heute mit sich und ihrem Körper Frieden gefunden. Mit I Feel Pretty will sie dieses Gefühl anderen Frauen vermitteln. Was also soll daran falsch sein?

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