Es - Teil 2 kann nur ein Fehlschlag werden


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Momentan gibt es immer wieder mal Meldungen, die vom Cast-Zuwachs der Fortsetzung Es - Teil 2 berichten. Der erste Teil, mit dem Regisseur Andy Muschietti eine Hälfte des Romans von Stephen King verfilmte, war aus finanzieller Hinsicht ein sensationeller Erfolg. In den USA gelang Es über das erste Wochenende beispielsweise der beste Start eines Films mit R-Rating aller Zeiten. Da Zahlen aber generell nichts über Qualität aussagen, erlebte ich die Roman-Adaption, für die Muschietti die Geschichte aus dem Buch in zwei strikt voneinander getrennte Zeitlinien aufteilt, leider als herbe Enttäuschung. Aus genau den Gründen, die Es aus dem Jahr 2017 einerseits doch ganz schön und andererseits so ärgerlich machten, ist die Fortsetzung für mich daher trotz aller verlockender Casting-Gerüchte oder -Neuigkeiten schon jetzt zum Scheitern verurteilt.

Eine überraschend angenehme Figurendynamik neben ärgerlich plumpen Schockmomenten

In der jüngsten Vergangenheit hat sich der Drang nach Nostalgie vor allem durch den Rückgriff auf Zitate, Motive und Bilder des 80er-Jahre-Kinos wieder einen unausweichlichen Weg in unsere gegenwärtige Popkultur gebahnt und führte zu einer regelrechten Retro-Übersättigung. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die Serie Stranger Things, die von Referenzen an die Werke von Steven Spielberg und Stephen King nur so überquillt und vorwiegend nostalgische Reize bedient, bei dem die etwas ältere Generation in wohligen Erinnerungen und die jüngere Generation in imaginierten Erinnerungen schwelgen soll.

Im Vorfeld der Veröffentlichung von Es war meine Sorge groß, dass Andy Muschiettis Verfilmung von Kings Roman gerade durch die reine Fokussierung auf die Kinder ebenfalls zum reinen Nostalgie-Spektakel verkommen und ausschließlich das Ausstellen von 80er-Jahre-Reminiszenzen im Vordergrund stehen würde. Dass die in den 50ern stattfindende Handlung aus der Vorlage für die Neuverfilmung in eben genau jene 80er Jahre verlegt wurde, stimmte mich im Zusammenhang mit den eher unterwältigenden Trailern alles andere als optimistisch.

Überrascht wurde ich von Es aber dann doch in der Hinsicht, dass ich gerade die Dynamik zwischen den Kinderfiguren, die von sehr guten Jungdarstellern gespielt wurden, als gelungen empfand. In den schönsten Momenten ist Muschiettis Film eine berührende Geschichte über den unschätzbaren Wert von Freundschaft und Zusammenhalt, während das einfühlsame Band, das der Regisseur zwischen den Kindern knüpft, sowie die Chemie aus zaghafter Neugierde, kindlicher Naivität und aufgeweckter Direktheit, die in gemeinsamen Szenen des Losers‘ Club aufkeimt, den eigentlichen Horror-Aspekt der Geschichte mühelos überstrahlt.

Immer dann, wenn in Es die titelgebende dämonische Präsenz in Gestalt des Clowns Pennywise auftritt und die tiefen Urängste sowie Traumata der Kinder adressiert, bricht Muschiettis Film regelmäßig in sich zusammen. Abgesehen von einigen wirklich originellen Bildern, in denen sich die schaurige Atmosphäre teilweise minutenlang ausbreiten darf, wird praktisch jede einzelne Horror-Szene von Es mit einem lauten, penetranten Jump Scare aufgelöst. Ein Trend, von dem auch schon Muschiettis Langfilmdebüt Mama gezeichnet war. Hierdurch wirkt Es so, als hätte sich der Regisseur absichtlich den kommerziell erfolgreichen Mechanismen gängiger Mainstream-Horrorfilme wie die Insidious- oder Conjuring-Reihe angebiedert. Gegen Ende verkommt der Film mehr und mehr zu einer oberflächlichen Geisterbahnfahrt aus müden Schocks und schrillen Schauer-Attraktionen, die den angedeuteten Konflikten rund um die Kinderfiguren nie gerecht wird.

Die wohlige Nostalgie gehört in Es - Teil 2 der Vergangenheit an

Da sich Es - Teil 2 in der Gegenwart ereignen wird und die erwachsen gewordenen Figuren als Protagonisten im Zentrum der Handlung stehen, dürfte der große Reiz des Vorgängers ebenfalls der Vergangenheit angehören. Ohne die Dynamik zwischen den Kindern, die von aufgeweckter Komik über berührende Einlagen bis hin zu tragischer Drastik reichte, verkommt die Fortsetzung meiner Befürchtung nach noch stärker zu Horror-Stangenware, die sich endgültig nur noch auf plumpen Schockmomenten ausruht. Auch ich würde mich darüber freuen, Schauspieler wie die in Verhandlungen stehende Jessica Chastain neben weniger bekannten Namen wie Andy Bean, James Ransone oder dem eben erst bestätigten Jay Ryan als Ben Hanscom in Es - Teil 2 zu sehen. Ich befürchte aber trotzdem, dass dieser Film von austauschbaren Sequels wie Conjuring 2, Insidious: Chapter 3, Annabelle 2 oder Ouija 2 kaum noch zu unterscheiden sein wird.

Zählt ihr auch zu den Skeptikern gegenüber Es - Teil 2?

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