Darum wird das Suspiria-Remake ein großartiger Horrorfilm


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Bereits zu viele schlechte Remakes mussten Filmfans ertragen, als dass die Ankündigung einer weiteren Neuauflage eines geliebten Klassikers auch nur ansatzweise positive Gefühle auslösen könnte. Besonders das Horror-Genre, in dem anerkannte Meilensteine wie Freitag, der 13., A Nightmare on Elm Street oder Texas Chainsaw Massacre bereits als Vorlagen für mehr oder weniger brauchbare Neuverfilmungen herhalten durften, war von der Remake-Welle stark betroffen. Ein Horrorfilm, von dem sich vermutlich niemand wirklich ein Remake gewünscht hat, ist Dario Argentos farbenprächtiges Meisterwerk Suspiria.

Nachdem der erste Versuch von David Gordon Green aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten nie zustande kam, kündigte stattdessen der italienische Regisseur Luca Guadagnino an, dass er ein Suspiria-Remake drehen werde. Vorgestern wurde der erste Trailer zum neuen Suspiria veröffentlicht, und dieser lässt auf einen großartigen Horrorfilm schließen, der sowohl bei Fans von Argentos Original als auch bei neuen Zuschauern für Begeisterung sorgen könnte. Grund dafür ist nicht nur die herausragende Vorlage, sondern vor allem der Regisseur.

Darum ist Dario Argentos Suspiria ein zeitlos betörendes Horror-Meisterwerk

Wer Suspiria von Dario Argento aus dem Jahr 1977 gesehen hat, wird den Film vermutlich nie wieder vergessen. Grund dafür ist die Tatsache, dass Argento einen audiovisuell unvergleichlichen Horrorfilm geschaffen hat, der explizit danach verlangt, mit weit geöffneten Augen gesehen zu werden. Dabei spielt die denkbar schlichte Geschichte kaum eine Rolle für dessen unglaubliche Wirkung. Suspiria ist vielmehr einer der strahlendsten Beweise dafür, dass Horror in seiner pursten Form in erster Linie über die Macht der Bilder entsteht, die in diesem Fall durch eine ebenso eingängige wie markerschütternde Klangkulisse der Progressive Rock-Band Goblin unterstützt werden.

Die Geschichte um die junge Schülerin Suzy Bannion, die an einer Akademie in Freiburg Tanz studieren will, verwandelt Argento von den ersten Szenen an in ein von Farben und Lichtern durchflutetes Horror-Märchen. Für seinen Film vertraute der Filmemacher auf die abstrakte Logik eines Traums und orientierte sich zusätzlich an den kräftigen Technicolor-Bildern von Disneys Schneewittchen und die sieben Zwerge, um das Drehbuch in einzelne Set-Pieces aufzubrechen (in unserem Argento-Porträt könnt ihr noch mehr über seinen Stil erfahren). Zwischen kunstvollen Kulissen, für die sich der Regisseur am deutschen Expressionismus orientiert hat, brutalen Morden, bei denen immer mehr der Tanzschülerinnen ums Leben kommen, und dunklen Geheimnissen innerhalb der Akademie, die Argento mit einem Hexen-Mythos verknüpft, ist Suspiria ein zeitlos betörendes Horror-Meisterwerk.

Darum wird Luca Guadagninos Suspiria ein fantastisches Horror-Erlebnis

Obwohl jegliche Gedanken an ein Remake von Suspiria geradezu abstrus schienen, kam die Verkündung einer Neuauflage durch Regisseur Luca Guadagnino trotzdem einem interessanten Paukenschlag gleich. Nachdem anfangs die wildesten Gerüchte kursierten, laut denen die erste Schnittfassung des neuen Films angeblich ganze 170 Minuten betragen sollte, machte sich umgehend wieder Skepsis breit. Argentos intensives Farbenspiel, im Original von 1977 angemessen intensive 92 Minuten lang, auf fast 3 Stunden gestreckt? Nachdem ich mir die bisherigen Filme des italienischen Filmemachers wie I Am Love, A Bigger Splash (ebenfalls ein Remake) und zuletzt den herausragenden Call Me by Your Name angesehen habe, kann ich es nun kaum noch erwarten, Guadagninos Suspiria zu sehen.

Mit seinem Stilbewusstsein hat sich der italienische Regisseur als regelrechter Meister des Atmosphärischen behauptet, der aufregende Stimmungen vor eine konkrete Handlung stellt. Ein perfektes Beispiel hierfür ist die Liebesgeschichte von Call Me By Your Name, die Guadagnino vor äußeren Einflüssen gezielt abkapselt. Stattdessen versinkt der Film in den malerischen Impressionen des ländlichen Schauplatzes in Italien. Hier erzählt der Regisseur das erotisch knisternde sowie zärtlich aufkommende Liebesverhältnis zwischen dem 17-jährigen Jungen einer Akademikerfamilie und einem 24-jährigen Gastdoktoranden primär über Körper. Über ihre ungehemmte Lust zueinander sowie auf das Leben selbst kann Guadagnino kaum die Kontrolle behalten und bringt sie immer wieder zum Ausbruch.

Ein inszenatorisches Konzept, das nun auch wieder in den Szenen zu erkennen ist, die der erste Suspiria-Trailer enthält. Während sich der Regisseur offenbar grob an die Handlung aus Argentos Film gehalten hat, könnten sich die Bilder von Guadagninos Version kaum radikaler von dem 1977er-Original unterscheiden. Der grelle Rausch ist einer starken Farb-Entsättigung gewichen, die den Szenen aus dem Trailer eine fast schon narkotisierende Wirkung verleiht. Im bleichen, körnigen Stil erinnert das erste Material an Horrorfilme aus den 70er-Jahren, wobei speziell der letzte Teil des Trailers so einige verstörende oder beunruhigende Einstellungen in Sekundenbruchteilen aufbietet. Auch der Goblin-Score ist neuen, gleichermaßen bizarren Klängen gewichen, die von Thom Yorke stammen. Laut eigener Aussage wollte der Regisseur mit seinem Suspiria kein Remake drehen, sondern das Gefühl einfangen, das er selbst hatte, als er Argentos Original zum ersten Mal sah. Mit Blick auf den ersten Trailer scheint ihm das gelungen zu sein, und es dürfte uns ein großartiges, eigenständiges Horror-Erlebnis erwarten.

Seid ihr auch schon gespannt auf den neuen Suspiria?

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