Brauchen wir wirklich einen Boba Fett-Film im Star Wars-Universum?


Boba Fett in Die Rückkehr der Jedi-Ritter
© 20th Century Fox
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Das Konzept der Star Wars-Anthologiefilme steht auf dem Prüfstand. War da zuerst die vielversprechende Möglichkeit, verschiedene Nebenschauplätze des Sternenkriegs zu erkunden, haben sich diese bisher noch nicht so recht vom roten Faden der Skywalker-Saga abwenden wollen. Gerade im Fall von Solo: A Star Wars Story lässt sich momentan sehr schön diskutieren, ob die Geschichte des jungen Han Solo so atemberaubend wie ein perfekter Kessel Run ist oder vielmehr den Gipfel der Franchise-Beliebigkeit darstellt. Ab wann bereichert ein eigenes Spin-off den Werdegang einer ikonischen Figur? Und ab wann wird diese entmystifiziert? Ein potentieller Boba Fett-Film wurde vor drei Jahren bereits auf Eis gelegt, bevor die Dreharbeiten überhaupt angefangen haben - dieser Umstand ist allerdings weniger auf die Geschichte zurückzuführen als die unglücklichen Entwicklungen mit Chronicle- und Fantastic Four-Regisseur Josh Trank.

Der Boba Fett-Film ist überflüssig, hat aber immerhin einen fähigen Regisseur

Wie wir seit vergangenem Freitag jedoch wissen, gehört Boba Fett nach wie vor in den Pool der beliebten Star Wars-Figuren, von denen wir fortan mehr im Kino sehen werden. Der bisher unbetitelte Boba Fett-Film wird von Drehbuchautor und Regisseur James Mangold entwickelt, der frisch von seinem Erfolg mit Logan - The Wolverine kommt und somit gleich eine ganze Reihe an Eigenschaften mitbringt, die ihn für diesen Job qualifizieren. Am wertvollsten dürfte im Fall von Star Wars jedoch sein Talent sein, sich in eine bestehende Marke einzudenken und innerhalb des gegebenen Rahmens etwas Ungewohntes zu schaffen. Wolverines endzeitliche Abschiedsvorstellungen, gespickt mit Western-Elementen und je nach Fassung sogar in berauschenden Schwarz-Weiß-Bildern, gehört definitiv zu den denkwürdigeren Superheldenfilmen der vergangenen Dekade und wurde mit einer Oscar-Nominierung für das Beste adaptierte Drehbuch belohnt.

Darüber hinaus tritt James Mangold außerdem als Autorenfilmer auf, der im Lauf seiner Karriere bei den meisten Filmen, die er inszeniert hat, auch das Drehbuch schrieb. Im Star Wars-Franchise war es zuletzt Rian Johnson, der sich als alleiniger kreativer Kopf hinter Star Wars 8: Die letzten Jedi behauptete, während J.J. Abrams zuvor sowohl bei Star Wars 7: Das Erwachen der Macht als auch dem kommenden Star Wars 9 als Co-Autor fungierte bzw. fungiert. Zwar erweckte Lucasfilm jüngst den Eindruck, sich fortan von (jungen) Regisseuren mit eigener Handschrift (und wenig Erfahrung) trennen zu wollen. James Mangold könnte jedoch ähnlich wie J.J. Abrams den perfekten Kompromiss bilden: Wenngleich der Boba Fett-Film höchstwahrscheinlich sein bis dato größtes Projekt wird, bringt er genügend Erfahrung und Ehrgeiz mit, um aus einer denkbar einfallslosen Idee etwas Bleibendes mit eigener Identität zu schaffen.

Der Boba Fett-Film als Fortsetzung von Solo: A Star Wars Story

Die Figur Boba Fett erweist sich dabei als wahre Herausforderung, denn es ist kein Geheimnis, dass der Kopfgeldjäger in erster Linie aufgrund seiner coolen Rüstung Kultstatus erlangt hat. Boba Fett, der wenig redet und sich hinter einer Maske versteckt, zehrt unheimlich von dem Mysterium, das ihn umgibt. Die Gefahr ist groß, dass ein Spin-off völlig unterschätzt, wie interessant die Figur tatsächlich ist. Da dürfen - nein, müssen - James Mangold und Logan-Kollaborateur Simon Kinberg, der angeblich auch als Drehbuchautor beim Boba Fett-Film involviert ist, ihrer Kreativität freien Lauf lassen, um eine packende Geschichte zu erzählen. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht der Film wird, bleibt am Ende des Tages aber immer noch das Problem, dass Lucasfilm einmal mehr am Bestehenden klebt, anstelle das Potential eines von den Episoden losgelösten Anthologiefilms vollends auszunutzen.

Zwar lockt Rian Johnsons neue Trilogie sowie das Star Wars-Projekt der Game of Thrones-Autoren D.B. Weiss und David Weiss mit dem Versprechen, unentdeckte Winkel der weit, weit entfernten Galaxis zu erkunden. Vorerst müssen wir uns darauf einstimmen, dass das Franchise genauso wenig dem Sarlacc entkommt, wie Boba Fett, der in Die Rückkehr der Jedi-Ritter unbeholfen im Schlund des pflanzenähnlichen Allesfressers verschwindet. Gleichzeitig eröffnete ausgerechnet Solo: A Star Wars Story mit einer unerwarteten Rückkehr im finalen Akt eine spannende Möglichkeit, wie die Anthologiefilme in Zukunft durch Figuren, Schauplätze und Themen miteinander verbunden sein könnten, ohne explizit die gleiche Geschichte zu verfolgen. So könnte Fett: A Star Wars Story als zweiter Teil von Solo: A Star Wars Story fungieren, während der seit einer gefühlten Ewigkeit rumorte Kenobi: A Star Wars Story den Abschluss dieser Quasi-Trilogie bilden würde. Das hätte durchaus etwas Reizvolles.

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