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Detektiv Conan - Kleiner Sherlock ganz groß

Anime-Serien im Kino - Mein Abend mit einem geschrumpften Meisterdetektiv


Shin'ichi wird gefunden
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Shin'ichi wird gefunden

Im Jahre 2016 triumphierte Cristiano Ronaldo mit Portugal bei der Fußball Europameisterschaft, Nico Rosberg krönte sich zum Formel 1-Weltmeister und "fly sein" wurde zum Jugendwort des Jahres gekürt. Doch auch für Detektiv Conan war 2016 ein ganz besonderes Jahr, schließlich feierte das Franchise sein 20 jähriges Jubiläum, was natürlich im großen Stil begangen werden musste. Anlässlich der Festivitäten wurden die ersten beiden Kapitel des Manga beziehungsweise die ersten beiden Episoden des Anime überarbeitet und neu aufgelegt, womit das TV-Special Episode ONE geboren war. Eben jenes Jubiläums-Special feierte in der vergangenen Woche endlich seine Deutschlandpremiere!


Worum geht es in Detektiv Conan?

Mein Name ist Conan Edogawa. Ich bin Detektiv.


Shin'ichi Kudo ist ein großer Sherlock Holmes-Fan und strebt seinem großen Vorbild mit Feuereifer nach - sehr zum Leidwesen seiner Freundin Ran, die ihn regelmäßig als "Krimi-Freak" betitelt. Als Oberschüler-Detektiv machte sich Shin'ichi bereits einen Namen und griff bei diversen Gelegenheiten der Polizei bei besonders kniffligen Fällen unter die Arme; dank seiner ausgezeichneten Auffassungsgabe konnte er bis jetzt noch jedes Rätsel lösen. Doch eines Tages, unser Protagonist verbringt gerade mit Ran einen gemütlichen Tag in einem Freizeitpark, beobachtet er zwei Männer in schwarz bei einem verdächtigen Deal. Da Shin'ichi so auf das Geschehen vor sich fokussiert ist, bemerkt er nicht den dritten Mann, welcher sich von hinten an ihn heranschleicht und niederschlägt. Unserem Helden wird daraufhin ein experimentelles Gift verabreicht, doch Shin'ichi stirbt nicht, sondern wird stattdessen auf die Größe eines Grundschülers geschrumpft. Um das Leben der Menschen, die er liebt, sowie seine eigene Identität zu schützen, nennt sich unser nun geschrumpfter Meisterdetektiv von jetzt an Conan Edogawa. Während er bei Ran sowie ihrem Vater Kogorō Mōri unterkommt und dem etwas schusseligen Privatdetektiv bei der Lösung seiner Fälle unter die Arme greift, verfolgt Conan nur zwei Ziele: Die Machenschaften der Männer in Schwarz aufzudecken und seinen alten Körper zurückzubekommen!

Bereits vor 12 Jahren konnten mich Conans Fälle in ihren Bann ziehen, wohl auch deshalb, da ich selbst einen Faible für Krimi-Geschichten habe. Mit seinen spannenden Fällen und vor allem den sympathischen Charakteren mauserte sich Detektiv Conan schnell zu einer meiner Lieblings-Serien, welche bis heute ihren festen Platz in meinem Herzen hat. Generell hatte die Serie, meiner Meinung nach, stets eine wirklich gute Qualität, was mir beim aktuellen Re-Run der Serien auf ProSieben MAXX ebenfalls ein ums andere Mal aufgefallen ist. Meine Vorfreude auf das TV-Special waren deshalb bereits riesig, auch da eigens hierfür neue Szenen angefertigt wurden, welche Conan-Schöpfer Gōshō Aoyama persönlich beisteuerte sowie ihre Integrierung in die ursprüngliche Geschichte überwachte. Am 29. Mai ging es also einmal mehr gut gelaunt ins CinemaxX Bremen, wo wir uns auf einen tollen Abend mit unserem kleinen Meisterdetektiv freuten :)


Mein Abend mit Detektiv Conan: Episode ONE - Der geschrumpfte Meisterdetektiv

Und wie heißt du?
Äh... mein Name ist Shin'i... äh, nein, Blödsinn... äh, hihihihi.


Eine Frau betritt ihr Labor, setzt sich an ihren PC und begutachtet die Ergebnisse ihrer Arbeit. Zu ihrer Enttäuschung muss sie feststellen, dass ihre Experimente bisher von wenig Erfolg gekrönt zu sein scheinen, doch ein Versuchssubjekt erscheint vielversprechend. Während Sherry, so der Name der jungen Dame, ihre Daten durchforstet, klärt ein gewisser Oberschüler-Detektiv einen Mord auf – sehr zum Leidwesen seiner Freundin, welche sich eigentlich gewünscht hätte, Shin'ichi würde einmal nicht in einen neuen Fall stolpern. Einige Tage später – unser Detektiv hatte inzwischen der Polizei dabei geholfen, einen kniffligen Mordfall zu lösen – soll unser Protagonist seiner Freundin Ran nicht nur das Versprechen geben, sie ins Tropical Land, einen Freizeitpark, auszuführen (wobei sämtliche Kosten auf seine Kappe gehen sollen), darüber hinaus soll unsere Spürnase in den größten Fall seiner noch recht jungen Karriere stolpern, was sein Leben für immer verändern wird!

Soviel erst einmal zur Geschichte, welche ich hier nur grob anreißen möchte, da sie in Grundzügen sicherlich den meisten von euch bekannt sein dürfte. Episode ONE - Der geschrumpfte Meisterdetektiv (übrigens der Titel des zweiten Manga-Kapitels) versteht sich als Remake der ersten beiden Kapitel des Manga beziehungsweise Anime-Episoden, erweitert das vertraute Gerüst jedoch um einige Extra-Szenen und nimmt gleichzeitig ein paar Veränderungen vor, welche übrigens vom Schöpfer der Serie höchstselbst überwacht wurden. Der zusätzliche Inhalt kommt besonders dem Aufbau der Geschichte zugute, entwickelt sich die Story so doch sehr viel natürlicher und stimmiger als im Original; diesmal werden wir langsam ins Geschehen eingeführt, anstatt unverhofft ins kalte Wasser geworfen zu werden. Gin und Vodka, die Männer in Schwarz, bekommen ebenso zusätzliche Szenen, welche uns einen ersten Blick in ihr Metier erlauben, wie Shin'ichi und Ran, was uns dabei hilft, ihre Beziehung besser zu verstehen. Wir lernen die Charaktere somit bereits zum Beginn der Geschichte gut kennen, besonders natürlich unsere beiden Hauptfiguren, die sehr gut charakterisiert werden und mit ihren ganz eigenen Stärken sowie Schwächen zu gefallen wissen. Ran und Shin'ichi sind jeder für sich gesehen schon sehr sympathisch, weshalb man sie schnell ins Herz schließt, doch besonders ihre gemeinsamen Momente sind es, die besonders herausstechen. Ihre Beziehung ist eines der zentralen Elemente der Reihe und gehört zu meinen liebsten Liebesgeschichten, einmal aufgrund der beiden Figuren, des Weiteren jedoch ebenfalls, da sie sich selten zu stark in den Vordergrund drängt und so den Krimi-Elementen die Show stielt – die Mischung stimmt einfach, wie man so schön sagt.

Warten Sie, es war keineswegs ein Unfall.


Die Charaktere sind also immer noch eine der ganz großen Stärken von Detektiv Conan, gerade deshalb, da sie Ecken und Kanten haben, was unsere Hauptfiguren sehr nahbar, greifbar macht. Darüber hinaus gibt es die aus der Serie sowie den Filmen wohl bekannte Mischung aus Action, Comedy, Drama und Romanze, welche noch immer hervorragend funktioniert. Allerdings hat Episode ONE, in meinen Augen, ein großes Problem, das es für Neueinsteiger ins Franchise etwas kompliziert machen könnte, schnell in der Saga Fuß zu fassen. Wir bekommen hier im Rahmen des Specials Charaktere präsentiert, welche teilweise erst hunderte Episoden später eine relevante Rolle zugedacht bekommen, von deren Existenz man als "Laie" also erst bedeutend später erfährt. Wo und wie diese Figuren zu verorten sind und welche Positionen ihnen zufallen, kann man als Neuling somit nur schwerlich erahnen und sich womöglich etwas überfordert fühlen angesichts der Vielzahl an Charakteren, welche hier in gerade einmal 96 Minuten präsentiert werden. Besonders schwierig wird es im Epilog des Specials, welcher munter durch diverse Highlights der Serie springt und uns den einen oder anderen Magic Moment präsentiert, beispielsweise einen gewissen Meisterdieb oder ein weiteres Mitglied der mysteriösen Organisation, der Conan auf den Fersen ist. Für langjährige Fans der Reihe, zu denen ich mich ausdrücklich zähle, ist dieses muntere Schaulaufen unterschiedlichster Charaktere aus verschiedenen Punkten der Geschichte ein wahres Fest und ich hatte mich mehrfach dabei ertappt, wie ich einfach nur mit Gänsehaut sowie einem breiten Grinsen im Gesicht dem Geschehen auf der Leinwand folgte, doch für Detektiv Conan-Neulinge könnte es eventuell etwas zuviel des Guten sein.

Audiovisuell gibt es übrigens wenig zu beanstanden. Wie ihr anhand der eingefügten Bilder bereits sehen könnt, besticht das Special mit wirklich schönen Zeichnungen sowie einem sehr guten Kontrast. Gerade wenn man gegen Ende die eine oder andere Aufnahme aus dem ersten Anime-Opening sieht, wird einem schlagartig bewusst, wie sehr sich die Serie optisch in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Den wirklich sehr hübschen Bildern stehen die Animationen zum Glück in Nichts nach, wobei eine Szene hier für mich besonders herausragte: Ran kann Shin'ichi (sehr nachdrücklich) davon überzeugen, sie auszuführen, sollte sie ein kurz bevorstehende Karate-Turnier gewinnen. Wie es nicht anders zu erwarten war, konnte sich unsere Heldin bis ins Finale durchschlagen ehe sie einer ebenbürtigen Gegnerin gegenübersteht. Dieser entscheidende Kampf ist mein besagtes optisches Highlight in Episode ONE, welches mit wunderbar geschmeidigen Animationen, dynamischen Kamerafahrten sowie einer wuchtigen Darstellung der gelandeten Treffer besticht; dieser Schlagabtausch wurde wirklich famos inszeniert! Davon abgesehen, werden Fans sicherlich die Liebe zum Detail wertschätzen, denn jede Hintergrundfigur steht noch genau dort, wo sie auch in den originalen ersten zwei Episoden platziert war und sie sehen auch noch immer genauso aus; mit dem kleinen jedoch feinen Unterschied, dass diesmal alles etwas schöner gezeichnet wurde. Apropos Details: Die eine oder andere kleine Änderung hat sich ebenfalls ins Special geschlichen. Beim zweiten Fall, einem Mord in der Achterbahn des Tropical Land, wurde ein Mann während derFahrt enthauptet. Sah man in der ursprünglichen Fassung dieser Szene noch eine weiße Flüssigkeit aus dem Hals des Opfers sprudeln, ist diese nun erstmals rot. Zudem wurde Gins Waffe geändert, mit welcher er Shin'ichi einen neuen Scheitel zog. Bediente sich der Mann in Schwarz in der Vergangenheit mal eines Metallrohres oder eines Baseballschlägers, ist es diesmal ein Teleskopschlagstock, welcher, meiner Meinung nach, ein nahe liegendes Utensil ist, dürften die zuvor genannten Instrumente doch eher schwerlich unauffällig zu transportieren sein. Von den optischen Vorzügen abgesehen, weiß ebenfalls der Soundtrack zu gefallen, welcher mit einigen klassischen Melodien des Franchise die Trommelfelle verwöhnt. So wird beispielsweise das allererste Opening des Anime eingespielt, welches jedoch bei uns im Saal nur sehr schwer zu verstehen war; ob hier die Abmischung nicht stimmte oder die Boxen für einen Moment nicht mehr hergaben, wage ich allerdings nicht zu beurteilen. Es war übrigens schade, dass man in diesem speziellen Moment nicht die deutsche Version des Openings nutzte. Ich hätte mir gut vorstellen können, dass der eine oder andere spontan mitgesungen hätte :D

Ich kann heute nicht mehr genau sagen, warum, aber ich spürte in diesem Moment, als Shin'ichi im Dunkeln verschwand, einen Stich in meinem Herzen.


Kommen wir nun zum letzten Punkt, ehe ich den Artikel mit einem kurzen Fazit beschließen werde, nämlich der deutschen Synchronisation. Selbst wenn einige Fälle der Serie mal "nur" okay gewesen sein sollten, konnte man auf die Sprecher vertrauen, welche auch diesmal wieder gewohnt hochklassig abliefern – bei diesem Special allerdings erstmals unter neuer Regie, denn im Gegensatz zu den vorangegangenen Kinofilmen beauftragte KAZÉ nicht mehr die TV+Synchron GmbH, sondern die Oxygen Sound Studios, welche jüngst ebenfalls für das Detektiv Conan-Spin-Off Magic Kaito 1412 verantwortlich zeichneten. Dieser Wechsel hat sich, meiner Meinung nach, definitiv bezahlt gemacht, was man besonders bei unserem Hauptcharakter hört. Shin'ichi beziehungsweise Conan wird natürlich einmal mehr von Tobias Müller vertont, welcher wie gewohnt vollen Einsatz zeigt und uns so die Emotionen seines Charakters sehr natürlich vermitteln kann. Als Conan wurde seine Stimme schon immer gepitcht, also erhöht, um die Tonlage eines Kindes zu erreichen, doch gerade in den vergangenen Kinofilmen des Franchise schoss man hierbei teils deutlich über's Ziel hinaus; Conan hörte sich leider sehr unnatürlich an. Die Oxygen Studios leisten hier für mein Empfinden wieder deutlich bessere Arbeit, es hört sich "richtig" an. Unsere weibliche Hauptfigur bekommt einmal mehr von Giuliana Jakobeit ihre Stimme verliehen, welche merklich mit Herzblut bei der Sache ist und sowohl in den Action-Szenen als auch in den ruhigeren Augenblicken absolut zu überzeugen weiß. Man spürt förmlich, wie sehr sie diesen Charakter in den vergangenen Jahren verinnerlicht hat. Doch auch die Sprecher der Nebencharaktere wissen zu gefallen und werden teilweise ebenfalls noch von jenen Synchronschauspielern gesprochen, die diesen Part bereits in den ersten Anime-Episoden innehatten. Unser "schlafender Detektiv" Kogorō wird somit noch immer von Jörg Hengstler oder Inspektor Megure von Klaus-Dieter Klebsch gesprochen; eine wahre Freude für langjährige Fans der Reihe. Professor Agasa, Shin'ichis treuem Freund und Vertrauten, wird indes, wie bereits im 21. Kinofilm des Franchise (Der purpurrote Liebesbrief), von Frank Ciazynski seine Stimme verliehen, da dessen Vorgänger Rüdiger Evers sich inzwischen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete; seine Sache macht er hierbei wirklich toll und seine Stimme passt gut zur Figur. Bei Conans Gegenspielern gab es indes, im Vergleich zum Original, gleichsam einen kleinen Wechsel zu verzeichnen: Wurde Gin, der unserem Helden das mysteriöse Gift verabreichte, das ihn wieder in ein Kind verwandelt hatte, zu Beginn des Anime noch von Tobias Kluckert gesprochen (unter anderem Radditz in Dragon Ball Z sowie die deutsche Stimme von Joaquin Phoenix), ging diese Rolle inzwischen an Jan-David Rönfeldt (unter anderem Dante in Devil May Cry), was ein Wechsel ist, mit dem ich mich in den vergangenen Jahren nicht nur arrangiert habe, sondern über den ich mich inzwischen sogar wirklich freue, da Rönfeldt wie schon sein Vorgänger immer vollen Einsatz zeigt und Gin durch seine markante Stimme noch bedrohlicher erscheinen lassen kann, als er es mit seinem eiskalten Blick ohnehin schon ist. Die deutschen Sprecher können sich also wieder einmal absolut hören lassen und liefern auf einem gewohnt hohen Niveau ab, wirklich toll! :)

http://www.youtube.com/watch?v=TJb7v9A58Q0

Detektiv Conan: Episode ONE - Der geschrumpfte Meisterdetektiv ist ein Remake wie ich es gerne öfter sehen würde. Die Geschichte wurde an genau den richtigen Ecken erweitert, um uns besser ins Geschehen einzuführen und uns den Charakteren noch mehr verbunden fühlen zu können. Die Liebe zum Detail, mit der dabei zu Werke gegangen wurde, sowie die wunderschöne visuelle Überarbeitung tun ihr Übriges, um langjährigen Fans ein wohliges Gefühl zu geben, weshalb die knapp 100 Minuten nur so vorbeizufliegen scheinen. Auch wenn die Fülle an illustren Figuren den einen oder anderen Neueinsteiger womöglich überfordern könnte, so ist dies doch ein wunderbares Geschenk zum 20. Geburtstag unserer kleinen Spürnase :)

Wie es immer so ist, fand natürlich auch dieser schöne Kinoabend irgendwann sein unausweichliches Ende. Mein Freund und ich fühlten uns ausgezeichnet unterhalten, weshalb wir auf der Rückfahrt noch gemeinsam in Detektiv Conan-Erinnerungen schwelgten. Diesen Monat, genauer am 26. Juni, gehen die Anime Nights natürlich schon wieder in ihre nächste Runde und zwar mit Attack on Titan: Gebrüll des Erwachens!

Habt ihr Detektiv Conan: Episode ONE ebenfalls gesehen und falls ja, wie gefiel euch das Remake von Shin'ichis ersten Fällen?

moviepilot Team
Amon Sven Raabe
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What? No chit-chat or monologue? Just gettin' right to the point, huh?
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