In den Gängen - Kritik


In den Gängen / AT: In the Aisles

DE · 2018 · Laufzeit 125 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 3 .5

    Ein feelbad-movie. Super.
    Marion fand Christian jetzt noch mal weshalb genau gut? Weil er die Zähne nicht auseinanderkriegt? Oder weil er sie stalkt und in ihre Wohnung einbricht?
    Mannomann, ich fand den auf so vielen Ebenen schwach, aber eigentlich habe ich auch schon gar keinen Bock mehr, mich darüber auszulassen. Der Film hat so schon genug meiner Lebenszeit gefressen.

    1
    • 7

      In den Gängen. Der Titel des Films ist gleichsam der Ort, an dem Träume zerplatzen. An diesem filmisch so unverbrauchten Schauplatz, tauschen ebenso unverbrauchte Figuren die selben Sehnsüchte. Ohne falschen Kitsch, ohne verbohrte Klischees. Gerade in der ersten Hälfte sorgt Regisseur Stuber immer wieder für Gelächter, schlichtweg indem er den trostlosen Lageralltag auf eine Art und Weiße einfängt, wie es sonst einer völlig anderen Art von Filmen vorbehalten ist. Wenn die Kamera virtuos durch die Gänge tänzelt oder die Fahrt eines Gabelstaplers von Strauß untermalt wird, dann ist das schon allein deshalb komisch, weil es unserer filmischen Prägung widerspricht. Herzliche Komik durch den Widerspruch von Form und Inhalt, während die Ossischnauze ihr übriges tut. Nach und nach muss dieses Grinsen jedoch aus dem Gesicht weichen, denn je weiter In den Gängen voranschreitet, desto deutlicher wird es, welche Trostlosigkeit diesen Alltag durchdringt. Stuber erzählt von den sozial Abgehängten, von den Verlorenen, über die sonst keiner sprechen mag. Rogowski, Hüller und und Kurth als versteckte erste Garde der deutschen Schauspielkunst. So etwas wie Hoffnung findet man in den gleichförmigen Bildern nur selten, dafür wirken Momente wie das improvisierte Weihnachtsfest umso kraftvoller auf den Zuschauer ein. Dann scheint es beinahe so, als würden die Lagerarbeiter ihr Recht auf einen glücklichen Moment schlichtweg einfordern. Erstaunlich ist auch, wie filigran Stuber diesen Mikrokosmus absteckt. Wenn Christian und Marion mit schweren Winterjacken den Weg ins Tiefkühllager antreten, dann gleicht das beinahe einer Expedition in die Antarktis. Da ist es auch nur konsequent beim langsamen Absenken der Staplergabeln das Meer rauschen zu hören. In diesen Augenblicken bekommt das Lager etwas Heimisches und Familiäres. Besonders dann, wenn zuhause sowieso keiner wartet.

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      • 9 .5

        War gerade in „In den Gängen“ und toller deutscher Film über die abgehängten Wendeverlierer ohne respektlos oder überdramatisch zu inszenieren aber dafür extrem glaubwürdig. Schön auch dass hier das Leipziger Sächsisch und der typische Slang übernommen wurde.

        • 8

          Ein sehr schöner, zeitweise witziger aber auch nachdenklich machender Film

          • 7 .5

            So, oder wahrscheinlich noch härter ist das Arbeiten in den Lagern von Amazon. Das war einer meiner Gedanken nach dem Film. Dieser Film ist unheimlich symbolträchtig. Mir hat der Film gut gefallen, doch er verlangt dem Zuschauer auch einiges ab. Man braucht Geduld, man muss einige Längen aushalten. Das ist anstrengend, doch es gehört zum Effekt dazu. Richtig, richtig gut sind Filme wie "Three Billboards outside Ebbing, Missouri", die es schaffen in eine tragische Situation auch noch das Skurrile und Komische unterzubringen.
            Trotzdem ist "In den Gängen" wirklich ein solider Film. Sandra Hüller als Marion könnte mehr Platz einnehmen, Peter Kurth als Bruno ist fantastisch und auch die Darbiertung von Franz Rogowski ist solide. Eigentlich sind Kurth und Rogowski die einzigen Protagonisten. Eigentlich spielt alles nur in dieser Halle.
            Solche Filme sagen einfach so unheimlich viel über das Leben aus, mir fehlen gerade ein wenig die Worte...

            1
            • 8

              Als ich vor knapp einer Stunde nach der Sichtung von In den Gängen das Kino verlassen habe, wollte ich mir sofort zu den Klängen von Tom Waits eine Zigarette anzünden, um mit der Trauer, die der Film in mir ausgelöst hat, irgendwie umgehen zu können. Denn in der Tat hat mich In den Gängen ziemlich erschüttert: Ohne großes Vorwissen erwartete ich eine Art Toni Erdmann im Kaufhaus, bekam stattdessen einen lustigen Film, der sich am Ende als bittere Tragödie entpuppt.
              Wir sind es durchaus gewohnt, an Spielorten wie dem von In den Gängen mit Geschichten über Gewinner in Kontakt zu kommen. Klischee "Vom Tellerwäscher zum Millionär". Vielleicht wollen wir diese Geschichten, um uns Hoffnung zu geben: die Hoffnung, dass unser Scheißjob nicht das Ende, sondern nur eine unangenehme Zwischenstation ist: Oder aber sind wir solche Geschichten gewohnt, weil die Künstler es selbst so wollen, vielleicht um der Realität nicht ins Auge sehen zu müssen, sprich: weil nicht (nur) wir Zuschauer uns nach Eskapismus sehnen, sondern gleichermaßen auch mit uns die Künstler. Man behalte das Ende von Annie Hall in Erinnerung, in dem Woody Allen alias Alvy Singer zugibt, durch die Kunst die Realität in einem besseren Licht dastehen lassen zu wollen (und genau das hat Woody Allen die nächsten vier Jahrzehnte des öfteren auch getan). Nur ist Thomas Stuber nicht Woody Allen. Sein Blick ist der eines Resignierten. Aber auch der eines Entdeckers der Zärtlichkeit im Elend, der Sinnlichkeit in der Tristesse.
              So wird aus dem Geräusch eines Gabelstaplers das Geräusch des Meeres, aus einer halbherzigen Weihnachtsfeier mit beschissener Schlagermusik im Hintergrund eine Möglichkeit, Ibiza ins eklig kalte Deutschland zu bringen und sich somit den Zwang, unbedingt nach Ibiza zu müssen, zu nehmen und vor allem wird aus einem kurzen Unter-die-Arme-Greifen im Kühlraum ein Eskimogruß und ein damit verbundener Moment kurzer, aber dadurch umso intensiverer Intimität. Stuber spricht hier eine eindeutige Sprache: Er erschafft einen Film, der uns Möglichkeiten gibt, sich nicht aus der Tristesse rauszukämpfen, sondern sich diese Tristesse zum Paradies zu machen. Bedrückt war ich am Ende trotzdem...
              Am Ende bleiben mir an erster Stelle vor allem die Momente in Erinnerung, in denen diese Tristesse zum Gefängnis wird, die keine Weihnachtsdekoration dieser Welt ausschmücken kann: Momente, in denen man einsam, hellwach im Bett liegt, während draußen Silvester gefeiert wird, Momente, in denen man panisch aus dem entspannten Bad erwacht, weil man glaubt, das Arschloch von Ehemann sei wieder zu Hause und vor allem: Momente, in denen selbst der banale Wunsch, wieder LKW zu fahren als unrealistische Wunschvorstellung dargestellt wird. Nein, Thomas Stuber hat keinen Films des Kämpfens und Rackerns gemacht, im Gegenteil geht es in diesem Film um das Akzeptieren oder um das vorzeitige Beenden des Elends. Das Streben nach Glück ist dem Film fremd. Vielleicht, weil die Menschen dort schon zu alt sind. Vielleicht auch, weil ein Leben des Strebens nach Erfolg irgendwann zum Burnout führt. Oder vielleicht auch beides.
              Auf jeden Fall fällt es mir schwer, in diesem Film sowas wie Trost zu finden. Zu niederschmetternd die Welt, der mich der Film aussetzt. Vielleicht bin ich auch noch zu jung, um Schönheit und - mehr noch - einen Hauch von Erfüllung, vielleicht sogar Erlösung im Klang eines Gabelstaplers zu finden. Vielleicht ändert sich das in ein paar Jahren noch...

              "Well the eggs chase the bacon round the fryin' pan
              and the whinin' dog pidgeons by the steeple bell rope
              and the dogs tipped the garbage pails over last night
              and there's always construction work bothering you
              In the neighborhood
              In the neighborhood
              In the neighborhood"

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              • 7
                Murxist 29.05.2018, 00:55 Geändert 31.05.2018, 12:22

                Christian, der »Frischling« in der Belegschaft des Großmarkts, Bruno, der den jungen Kollegen unter seine Fittiche nimmt, und Marion, die der Neue mit scheuer Zuneigung bedenkt, verständigen (und verstehen) sich weniger durch Worte als vielmehr durch Blicke, Gesten, Mienenspiel, durch gemeinsames Arbeiten, Rauchen, Schweigen. Regisseur Stuber inszeniert Rogowski, Kurth und Hüller als (stille) Helden einer einfühlsamen Sozial- und Seelendramödie zwischen insistierender Beobachtung im Stil der Berliner Schule, choreographischer Komik à la Jacques Tati und spröder Alltagspoesie, die das Meeresrauschen im Summen der Gabelstapler hörbar macht.

                • 8

                  [...] In Bewegungsabläufen, die einer sanften, geschmeidigen Choreografie gleichen, fährt ein Gabelstapler in der Eröffnungsszene von Thomas Stubers In den Gängen durch die verschiedenen Regalreihen eines Großmarkts. Die bekannten Klänge von Johann Strauß' Walzer An der schönen blauen Donau verleihen den anfänglichen Bildern eine ruhige Gelassenheit sowie nahezu surreale Poesie, die dem denkbar unpoetischen Arbeitsalltag der Mitarbeiter in diesem Großmarkt eigentlich kaum ferner sein könnte. Doch genau darum, das unerwartet Schöne und Berührende zwischen dem für gewöhnlich Banalen und Unscheinbaren hervorzuheben, geht es dem Regisseur in seinem Drama. Umringt von feiner Melancholie, leiser Komik und unterschwelliger Tragik widmet sich Stuber den Menschen hinter den Arbeitern, von denen es scheint, dass sie sich durch die unterschiedlichen Abteilungen und Gänge einfach treiben lassen. Dabei wird der Großmarkt, in dem sich ein Großteil der Szenen ereignet, zum Mikrokosmos diverser Gefühle und Geschichten, von denen der Regisseur jede einzelne glücklicherweise so behandelt, als sei sie unbedingt erzählenswert. [...] Wenn die Verhältnisse zwischen Abteilungen wie Süßwaren oder Tiefkühlkost, das nur Sibirien genannt wird, in freundschaftliche oder feindselige Verbindungen zueinander gesetzt werden, verleiht der Regisseur ihnen dadurch umgehend die Qualität eigenständiger Länder oder Orte. Diese Kunst, den jeweiligen Orten und Plätzen innerhalb dieses überschaubaren und doch von ganz speziellen Merkmalen geprägten Mikrokosmos eine außergewöhnliche oder markante Bedeutung über ihre eigene Funktion hinaus zu verleihen, zeichnet Stubers Film genauso aus wie ein ungemein feinfühliger Umgang mit den Menschen, die diesen mit Leben füllen. [...] Die meiste Zeit überlässt der Regisseur den Film aber seinen drei großen Hauptdarstellern Franz Rogowski (Transit), Sandra Hüller (Toni Erdmann) und Peter Kurth (Herbert). Letzterer verkörpert seine Figur mit einer Mischung aus brummiger Sympathie, warmer Empathie und stiller Sehnsucht nach etwas Verlorenem, wobei Bruno zunehmend sowie gerade gegen Ende des Films für die emotionalsten Erschütterungen verantwortlich ist. Rogowski und Hüller spielen Christian und Marion als Gegensätze, die sich trotz aller Unwahrscheinlichkeiten anziehen und über lange Blicke oder kurze Berührungen gegenseitig erkunden. In kaum einer anderen Szene von In den Gängen wird diese zärtliche Spannung, die Rogowski und Hüller ganz fantastisch zum Ausdruck bringen, deutlicher als an Marions Geburtstag, an dem sie in der Küche vor dem Kaffeeautomaten von Christian mit einem Yes-Törtchen überrascht wird, das dieser mit einer einzelnen Kerze zum Geburtstagskuchen gestaltet, den er mit seinem Teppichmesser in zwei Hälften schneidet. Einzig und allein die Blicke und Bewegungen der Schauspieler genügen in diesem Moment, um etwas vollständig ohne Kitsch aufflammen zu lassen, das schon kurz danach zwischen Getränkekästen, Hubwägen und Gabelstaplern, einem Aquarium voller Fische sowie zahlreichen Nudelsorten, die sich kaum auseinanderhalten lassen, wieder verschwindet. [...]

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                  • 7 .5

                    Gleichzeitig versteht es Regisseur Stuber, die Supermarktliebe in Bild und Ton atmosphärisch einzufangen. [Christine Stöckel]

                    • 8

                      Die genaue Sprache trifft sich in Stubers Inszenierung mit einer durchdachten Optik, für die Peter Matjasko an der Kamera höchstes Lob verdient.

                      • 8

                        Ein wundervoller Film: realistisch und poetisch, lakonisch und sehr berührend. [Krischan Koch]

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                        • 7

                          Dem jungen Regisseur gelingt es, den Arbeitsalltag seiner Helden und Heldinnen zum Ballett zu choreografieren, ohne ihn zu beschönigen. [Anke Leweke]

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                          • 8

                            Franz Rogowski verleiht dem Gabelstaplerfahrer, der am liebsten ganz tief stapelt, eine zarte Zurückhaltung [...]. [Stefan Benz]

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                            • 8

                              Vor allem aber beantwortet die ästhetisch reflektierte Inszenierung die Frage, wie sich einem gewöhnlichen Arbeitstag atmosphärischer Zauber und sogar Anmut abgewinnen lässt. [Heidi Strobel]

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                              • 7 .5

                                Franz Rogowski, dieser absolute Alleskönner von Schauspieler [...], begeistert auch in dieser nüchternen Alltagslyrik von In den Gängen wieder. [Günter H. Jekubzik]

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                                • 8

                                  In den Gängen ist ein Film über Menschen, die im Kino eigentlich nicht vorkommen. Bei Stuber und Meyer bekommen sie aber, was ihnen zusteht: die große Leinwand. [Andreas Fischer]

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                                  • 7 .5

                                    Franz Rogowski und Sandra Hüller bezaubern als Traumpaar der Warensortierer. [Britta Schmeis]

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                                    • 8 .5

                                      Hervorragender, zarter Film, der seine Figuren inszenatorisch und schauspielerisch zum Leuchten bringt. Er gesteht seinen Charakteren eine große Würde zu, entdeckt im Humor eine Traurigkeit und in der Traurigkeit Poesie.

                                      • 8

                                        ... zeigt sich „In den Gängen“ mit viel Einfühlungsvermögen für seine Figuren. (...) Besonders viel Gefühl gibt Stuber der zarten Romanze zwischen Christian und Marion mit. (...) Wir haben es mit einem Ensemblefilm zu tun, in dem jede einzelne Figur treffend porträtiert ist, und doch stechen Peter Kurth, Sandra Hüller und Franz Rogowski heraus – verständlich, da auf ihnen der Fokus liegt. ... feinfühliges und lakonisches Kleinod des deutschen Kinos ...

                                        Ausführlich bei DIE NACHT DER LEBENDEN TEXTE.

                                        • 8

                                          „In den Gängen“ erzählt die eigentlich unspektakuläre Geschichte eines jungen Mannes, der in einem Großmarkt anfängt und sich in seine Kollegin verliebt. Das Drama verbindet dabei grauen Alltag mit poetischen Elementen, wird trotz einer sehr überschaubaren Handlung zu einem sehenswerten und rührenden Mikrokosmos über Menschen, die nicht viel und doch alles haben.

                                          • 9

                                            In einem schlafwandlerischen Balanceakt zwischen Wahrhaftigkeit des Lebens und Magie des Kinos fängt der Film den Arbeitsalltag und die Lebensdramen der Angestellten in einem Großmarkt in der ostdeutschen Provinz ein. [Anke Sterneborg]

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                                            • 8

                                              In den Gängen ist eine einzige Lektion in Menschlichkeit, und das vor einer ganz besonderen historischen Folie. [...] Die besondere Kollegialität, die ruppige Herzlichkeit und verschmitzte Widerständigkeit rettet der Film hinüber in die kalte Welt des Warenkapitalismus und liefert damit auch ein politisches Statement. [Christina Tilmann]

                                              • 9 .5

                                                Allerklügste Beobachtung eines Supermarkt-Teams in tiefster ostdeutscher Provinz, dessen Zusammenhalt einem so zwangsläufig erscheint, dass es herzerwärmend ist. Zu Beginn macht der Film noch etwas zu ironische Kompromisse, geht dann aber immer mehr in die Tiefe und entwickelt eine ungemein suggestive Kraft. Darstellerisch eine Sensation, allen voran Peter Kurth. Für mich der Höhepunkt der Berlinale - und das am letzten Abend.

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                                                • 8 .5

                                                  In den Gängen ist voller zärtlicher Beobachtungen und menschlicher Empathie für seine unterdrückten Protagonisten. [Stephen Dalton]

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                                                    In den Gängen ist ein sehr authentischer Film, sehr zärtlich, der trotz der eher zweckmässigen Kulisse, in der er spielt, viel Wärme ausstrahlt. [Julia Stache]